Währungsanleihen
Anleihen - respektive Bonds - konnten sich als festverzinsliche Wertpapiere in den letzten Jahren zunehmend als alternative Form der Geldanlage etablieren. Eine treibende Kraft hierbei war nicht zuletzt die Erkenntnis, dass viele herkömmliche Anlageformen - so etwa viele Festzins-Sparmodelle - inflationsbereinigt kaum noch Zinserträge bringen. Für Staaten oder Unternehmen gehören Anleihen zu den klassischen Instrumenten der Kapitalbeschaffung, das Prinzip von Anleihen ist immer gleich: Der Käufer einer Anleihe wird zum Gläubiger des Emittenten und erwirbt damit einen Anspruch auf die Rückzahlung respektive Tilgung der Geldanlage in einem vorher festgelegten Zeitraum sowie fest vereinbarte Zinserträge. Im Unterschied zu klassischen Krediten werden Anleihen öffentlich "ausgeschrieben", so dass im Prinzip jeder als Kapitalgeber agieren kann.
Währungsanleihen - Zinsvereinbarung und Wechselkurs-Spekulation
Neben Staats- und Unternehmensanleihen werden auf dem Geldmarkt auch sogenannte Währungsanleihen -respektive "Fremdwährungsanleihen" - angeboten. Um eine Währungsanleihe handelt es sich hierzulande immer dann, wenn die Wertpapiere in einer anderen Währung als dem Euro ausgegeben werden. Jeder Emittent kann individuell entscheiden, in welcher Währung er seine Anleihen ausschreibt - abgerechnet wird jeweils zu den aktuellen Mittelkursen auf dem Devisenmarkt. Nach dem Kauf der Fremdwährungsanleihe müssen die jeweils aktuell eingehenden Zinserträge sowie der Nennwert der Anleihe in Euro zurückgewechselt werden, woraus sich unter Umständen ebenfalls ein Kostenfaktor ergibt.
Wer in Währungsanleihen investiert, sollte sich darüber klar sein, dass diese neben einem allgemeinen Kapitalmarktrisiko auch ein Währungsrisiko durch die Schwankungsbreiten der jeweiligen Wechselkurse beinhalten. Anleger kalkulieren bei der Investition in Fremdwährungsanleihen diese Kursschwankungen in der Regel als Rendite-Chance ein - gleichzeitig ist diese Form der Geldanlage hochspekulativ und daher vor allem für erfahrene bis semi-professionelle Anleger geeignet.
Spekulative Gewinne aus Fremdwährungsanleihen ergeben sich immer dann, wenn die jeweilige Währung gegenüber dem Euro aufgewertet wird. Zudem kommen bei diesen Investitionen Rendite-Vorteile zum Tragen, die sich aus dem Kapitalbedarf der Emittenten ergeben. Währungs- respektive Kursverluste entstehen immer dann, wenn die Fremdwährung gegenüber dem Euro abgewertet wird. Auch die Zinsentwicklung des jeweiligen Landes oder der Nicht-EU-Wirtschaftsregion beeinflussen die Rendite-Risiken und -Chancen: Hohe Auslands-Zinsen fungieren dabei durchaus als Puffer für einen potentiellen Abwärtstrend der ausländischen Währung, andererseits verursachen Zinssteigerungen regelmäßig einen Verfall der Anleihe-Kurse.
Emerging Market-Bonds und Doppelwährungs-Anleihen
Emerging Market-Bonds sind Währungsanleihen aus sogenannten Schwellenländern - sie versprechen aufgrund des vergleichsweise niedrigen Ratings und des hohen Kapitalbedarfs der Emittenten oft ausgezeichnete Renditen, sind aber gleichzeitig durch den oft fragilen wirtschaftlichen Hintergrund der Emittenten mit hohen Risiken behaftet, die sich sowohl auf Kurs- und Zinsschwankungen als auch das generelle Ausfall-Risiko beziehen.
Doppelwährungs-Anleihen sind eine Sonderform der Währungsanleihen, bei denen die Bonds in einer anderen als der Ausgabewährung zurückgezahlt werden - Investoren und Emittenten schließen dabei faktisch eine Wette über die Kursentwicklung der beiden Währungen ab, je nach Entwicklung der Devisenkurse "gewinnt" dabei entweder der Anleger oder der Ausgeber der Anleihe. Das Modell wird vorrangig von Industrie-Konzernen genutzt, um internationales Kapital für Großprojekte anzuziehen.
Staatsanleihen in Fremdwährungen - hohe Chancen, hohes Risiko
Ebenso risikoreich sind Fremdwährungsanleihen in Form von Staatspapieren - viele dieser Anleihen, etwa aus Asien oder Lateinamerika, versprechen Spitzen-Zinserträge - aber: Das Ausfallrisiko der gesamten Geldanlage, also der Zinserträge ebenso wie des Anlagevermögens selbst, ist in vielen Fällen mindestens ebenso hoch und aufgrund starker wirtschaftlicher Schwankungen kaum kalkulierbar.
Währungsanleihen - eine Anlageform für Profis
Fremdwährungsanleihen galten unter Finanz-Experten lange als relativ sichere und renditeträchtige Anlageform, sind jedoch durchschnittlichen Anlegern nur bedingt zu empfehlen, zumal der internationale Währungsmarkt durch Rezessionen und nicht zuletzt die Krise in diversen Euro-Ländern selbst für Finanzmarkt-Profis kaum noch kalkulierbar ist. Wer das Risiko einer Investition in Fremdwährungsanleihen trotzdem wagen will, kann es durch spezielle Produkte mit Kurssicherungs-Vereinbarungen zumindest minimieren. "Kleinere" Anleger sollten jedoch auch in diesem Fall abwägen, ob die Rendite-Chancen minus der zu erwartenden Transaktions-Kosten nicht für eine Geldanlage in sicheren und weniger aufwändigen Modellen sprechen.